Oliver HermannMillionen Deutsche sind zwischen dem frühen 19. Jahrhundert und dem Beginn des Ersten Weltkriegs in die USA ausgewandert. In tausenden von Briefen, Tagebüchern, Reisebeschreibungen und Liedern erzählten sie von Ihren Träumen, Hoffnungen und Ängsten bei der wochenlangen Atlantiküberfahrt auf überfüllten Segelschiffen. Wir erfahren, welche Probleme, aber auch euphorische Begeisterung und kindliches Staunen die „Germans“ beim Aufbruch in einer fremde unbekannte Welt begleiteten.

Viele dieser Schilderungen bekommen heute, mit dem Abstand mehrerer Generationen, eine unfreiwillige Komik. Wenn z.B. ein vollkommen überforderter Neuankömmling fassungslos konstatiert, dass „…wohl nicht alle Indianers Menschenfresser…“ seien, oder „… Frauen hier in Ämärika nur gemacht sind, um Geld zu verschwenden und sich die Zeit mit Lesen oder Nähen zu vertreiben…“ bekäme,  dann darf man mit einem Abstand von gut 150 Jahren über diese political incorrectness heute schmunzeln.

Auch in Liedern, die in Fülle im Deutschen Volksliedarchiv der Universität Freiburg lagern, zeigen sich ganz unmittelbar die großen Gefühle unserer ausgewanderten Vorfahren. Zusammen mit live gespielter Posaune, Tuba und Maultrommeln und teilweise mit vorproduzierten Einspielern aus Geräuschen Musik unterlegt, schwadronieren Oliver Hermann und Markus Voigt  70 Minuten was das Zeug hält über „Läuse, von denen sechs Stück einen ganzen Hammel festhalten können…“ und „Irländer, die immer blaue Unterbüchsen tragen und deshalb ganz blaue Beine haben.“

Oder, wie es das Hamburger Abendblatt sagte: (Man bekommt) „…Nachhilfe im Geschichtsunterricht, aber auf ganz amüsante Weise. Und schafften es trotz einfacher Mittel, daß man sich selbst wie ein Auswanderer im Zwischendeck fühlte – ohne Nebenwirkungen wie Wanzen, Läuse und Heimweh.“

Das Theaterprojekt „Der Auswanderer“ entstand 1998 spontan beim Besuch der „Titanic“-Ausstellung in der Hamburger Speicherstadt. Seitdem war es unzählige Male im In- und Ausland, und mehrfach auf See zu sehen: Auf Elbbarkassen der Maritime Circle Line, auf den Kreuzfahrtschiffen Queen Elisabeth II, Columbus II, Europa und Lilly Marleen.

„Der Auswanderer“ kann als Soloprogramm mit dem Schauspieler Oliver Hermann, oder zusammen mit dem Musiker Markus Voigt gebucht werden. Die Anforderungen an die Bühne sind gering: es müssen zwei gestandene Mannsbilder mit einer alten Reisekiste, einem Stuhl, zwei Instrumenten, einem Tonrack und zwei Boxen/Stative Platz haben. Auch Licht kann bei Bedarf mitgebracht werden. Mikrofone werden nicht benötigt.

Die Vorstellung hat eine Dauer von 60 Minuten.